Ortsgeschichte der vier Katastralgemeinden

Ardagger Markt

Ardagger Markt früher auch das "Goldene Marktl" genannt war in früherer Zeit in wirtschaftlicher Hinsicht zweifach bedeutsam:
Zum einen besaß Ardagger Markt den einzigen wegsamen Übergang über die Donau. Zum anderen gab es in Ardagger Markt die Möglichkeit, auf dem Landweg den sehr gefürchteten und gefährlichen Struden der Donau auszuweichen. Hier begann eine Straße, die über Viehdorf Richtung Ybbs führte. Ardagger Markt war auch eine der wichtigsten aber auch die letzte Anlegestelle oberhalb des Strudengaus. Hier wurde die Fracht auf Schiffe umgeladen, die dann von Strudenfahrern sicher durch die Struden gelenkt wurden. Seinerzeit befand sich diese Anlegestelle noch im Bereich der Kochmühle (Autohaus Schnabel). Durch die Wanderung der Donau lag er später beim Schatzkastl - wo er sich heute noch befindet (das sind 1400 m!!). Erst 1787 entstand durch ein Hochwasser das heutige Bett der Donau.
Um 1500 beherrschte die Fischerzunft den Ort. Hier entstand im Jahr 1580 das Schiffsmeisterhaus in Ardagger Markt, welches gegenwärtig das "Gasthaus zum Schiffsmeisterhaus" ist.
Ardagger Markt erlebte viele Hochwasserkatastrophen, die schwere Schäden an Gebäuden und Grundstücken anrichteten. Dem wurde mit dem Hochwasserschutzdamm, der 1979 eröffnet wurde, ein Ende gesetzt. Dieser Damm konnte dem Jahrhunderthochwasser im August 2002 gerade noch standhalten. Es fehlten nur noch einige Zentimeter, und der Damm wäre oben überflutet worden. Durch diese Überbelastung wurde die Innenböschung des Dammes so aufgeweicht, dass ein Teil der steilen Dammböschung absackte. Das erforderte schlussendlich eine Teilflutung des landseitigen Dammbereiches – wovon zahlreiche Keller der Häuser in Ardagger Markt betroffen waren.
Das erhöht über Ardagger Markt auf 275 m Seehöhe liegende Kirchengebäude mit seinem wuchtigen Südturm und dem profilierten Südportal bringt die gotische Stilepoche des 14. und 15. Jahrhunderts zum Ausdruck. Erstmals wurde die Kirche aber schon 823 erwähnt. Es wird vermutet, dass zur Römerzeit an dem Platz, an dem jetzt die Kirche steht früher eine Warte platziert war. Aus der romanischen Zeit sind noch einige Bauteile erhalten geblieben – wie zB die Kreuzrippengewölbe. Die Pfarrkirche Ardagger Markt ist dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Wege zu Wasser und der Schifffahrt geweiht. 123 Stufen führen hinauf zu dieser Kirche. Der zierliche Rokoko-Hochaltar mit dem zentralen Bild des Heiligen Nikolaus ist seitlich flankiert von neubarocken Statuen. Die Kanzel und einige andere Bilder und Statuen sind neugotisch.
In den Jahren 1712/1713 und 1679/1680 wütete in Ardagger der "Schwarze Tod" (Pest). Wieviele Tode es genau in dieser Zeit in Ardagger Markt wirklich gab, ist nicht bekannt. Angeblich rottete diese Seuche aber in Ardagger Markt fast den halben Ort aus. Zum immerwährenden Gedenken an diese Zeit wurde 1718 am Marktplatz in Ardagger Markt eine Breitstockkapelle errichtet.

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Nikolauskirche in Ardagger Markt
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Flugbild von Ardagger Markt

Sage über die Entstehnung der Kirche


Ardagger Stift

1049 wurde das Gut Ardagger Stift von Kaiser Heinrich III. an Bischof Nitker von Freising übergeben, mit dem Auftrag hier eine geistliche Gemeinschaft zu Ehren der Hl. Margareta einzuführen. So wurde eine dreischiffige Pfeilerbasilika errichtet, die 1063 eingeweiht wurde.
Zwischen 1225 und 1236 wurde eine neue, größere Kirche durch Probst Heinrich I. erbaut. Die Grundmauern entsprechen der heutigen Form des Stiftes Ardagger. Probst Heinrich I. hat sich mit dem Margaretenfenster ein bleibendes Denkmal gesetzt. Das Glasfenster hinter dem Hochaltar ist das älteste Figuralfenster dieser Art in Österreich. Von unten nach oben gelesen - in 14 Medaillons dargestellt - erzählt es von der Lebensgeschichte der Hl. Margareta. An der unteren Seite des Fensters ist der Stifter der Kirche Probst Heinrich kniend zu sehen, mit dem Modell der Stiftskirche in den Händen. Das 3,80 m hohe und 1 m breite Fenster ist mit Palmettenblättern gerändert. Im zweiten Weltkrieg fürchtete man, das Fenster könnte zerstört werden. Erst wollte man es nach Berlin bringen, es stellte sich aber heraus, dass das Glas in den steinernen Rahmen mit eingemauert war. So entschloss man sich, das Fenster innen und außen mit einer dicken Mauer zu unterstützen. Im Jahre 1949 wurde das Fenster wohl behalten wieder freigelegt.
Im Jahr 1529 wurde die Kirche von den Türken geplündert und in Brand gesetzt. Sie lag dann fast 40 Jahre lang in Trümmern. 1567 wurde sie durch Probst Grübler wieder aufgebaut. Das Stift Ardagger war ein Stift weltlicher Chorherren; vom Probst und seinen Chorherren wurden bis zu 16 Pfarren betreut. 1784 wurde diese Probstei aufgelöst. Aus der selben Zeit wie das Margaretenfenster stammen auch der Südeingang mit seinen romanischen Bogenläufen und die unterirdische Säulenkrypta. Sie ist durch sieben Säulen dreigeteilt und hat ein Kreuzgratgewölbe.

Sage über die Stiftung von Ardagger

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unterirdische Säulenkrypta
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Die Stiftskirche Ardagger von innen. Foto: weinfranz.at

Kollmitzberg

Der 469 m hohe Berg ist ein Ausläufer des böhmischen Massivs auf dem rechten Donauufer. Verschwommene Verwallungen zeigen, dass der Kollmitzberg als Ganzes einmal eine Wallburg gewesen sein dürfte (laut Bodenforschungen des Bundesdenkmalamtes). Auch die Kirche war einst eine Wehrkirche. Ihr Turm hat 2 m dicke Mauern. Auf gut übersichtlichen Plätzen hatte man früher Beobachtungsstände, die dazu errichtet waren, Feinde so früh wie möglich zu erkennen.
Die Kirche am Kollmitzberg wurde um das Jahr 1260 erstmals genannt. Diese gotische Wallfahrtskirche ist der Heiligen Ottilia geweiht, von der auch eine Statue aus dem Jahre 1500 bewundert werden kann. In den Jahren 1955/1956 hat der Künstler Franz Pitza in drei großen Deckengemälden das Leben der Hl.Ottilia , die als 11jähriges Kind bei ihrer Taufe auf wunderbare Weise das Augenlicht erhalten hat, dargestellt. Erst seit 1784 gilt Kollmitzberg als eine eigene Pfarre – vorher wurde sie von Ardagger Stift mitbetreut. Jahrhundertelang – speziell im späten Mittelalter - pilgerten tausende Gläubige jährlich auf dem Kollmitzberg. Dem Ottilienwasser, welches mitten auf dem 469 m hohen Berg entspringt, wurde eine besonders heilende Wirkung zugeschrieben, die vor allem Augenleiden lindern soll.
Seit 500 Jahren wird in Kollmitzberg jedes Jahr der Kollmitzberger Kirtag veranstaltet. 2016 feierte der Kollmitzberger Kirtag  sein 500. Jubiläum. Jedoch gehen die Wurzeln des Kirtages wahrscheinlich bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals wurde dieser Jahrmarkt aber noch in Ardagger Stift abgehalten. In den niedriger gelegenen Regionen von Ardagger wütete seinerzeit die Pest. Aus diesem Grund wurde der Jahrmarkt, der zu jener Zeit 2 Monate dauerte, auf den Kollmitzberg verlegt, der von dieser Seuche verschont wurde.
Der Kollmitzberger Kirtag hat aus dieser Zeit noch immer seinen Beinamen „Schusterkirtag“, da an die 100 Schuster jährlich ihr Schuhwerk hier angeboten haben. Die Gläubigen wallfahrteten damals barfuß auf den Kollmitzberg und kauften sich beim Jahrmarkt neues Schuhwerk. Ausser Schuhen gab es dort „Pechl“ (ein Mittel gegen Maul- und Klauenseuche bei Tieren), Met,... zu kaufen. Aber auch Heiratskontakte wurden hier geschlossen.
Auf einem besonders guten Aussichtsplatz steht heute hinter Büschen verborgen der „Hexenstein“. Das ist ein aufrecht stehender Granitblock, in den Stufen eingehauen sind. Durch Verwitterung hat sich oben in diesem Stein eine Schale gebildet. Seine Bedeutung scheint mit einem heidnischen Kult oder dem Kult einer verbotenen Sekte verbunden gewesen zu sein. Nicht nur der Name, sondern auch eine Sage deutet darauf hin: Nächtliche Opfer wurden angeblich dort dargebracht.
1830 gab es dort wo sich jetzt die Donaubrücke befindet eine „fliegende Brücke“. Ein ca. 700 m langes Seil wurde mit einem Korb, der mit Steinen gefüllt war, im Wasser verankert. Hier konnte man auf Booten die Donau mühsam überqueren. Um 1890 wurde eine Rollfähre errichtet, deren Seil hoch über dem Wasser von Berg zu Berg gespannt war. Zwischen 1965 und 1967 wurde die Donaubrücke errichtet, die das Überqueren der Donau problemlos gestaltete.

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Ottilienkirche Kollmitzberg
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Kollmitzberger Schusterkirtag - historisches Bild
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Das Geschichtsbuch "Kollmitzberg-Rückblick, Einblick, Ausblick" ist am Gemeindeamt erhältlich! Foto: Thomas Steiner

Stephanshart

Stephanshart wird cirka 1140 als “Steuenharte” erstmals erwähnt. Der Name bedeutet „Wald, der zum Stephansdom in Passau gehört“. „Hart“ ist ein uraltes Wort für Wald.
Wie früher bekannt und heute noch gut erkennbar, floss die Donau jahrhundertelang an Stephanhart vorbei. Zur Zeit der Kreuzzüge waren die Gefahren des Strudengaues schon bekannt. Aus diesem Grund gab es als letzte Raststelle vor dem Strudengau einige Anlandestellen in Ardagger, einige davon in Stephanshart. Haftpflöcke, die zum abbremsen und anbinden der anlandenden Schiffe und Flöße dienten wurden um 1880 noch an der Lände vom Zehethof beseitigt. Seit 1787 fließt die Donau etwas nördlicher und teilt das Machland in einen nördlichen und einen südlichen Teil.
Beim Katastrophenhochwasser im Jahr 1954 waren 62 Häuser bis zur Firsthöhe im Wasser eingeschlossen und nachher so gut wie unbewohnbar. 1971 begann die europaweit größte Aussiedlung der NÖ Landesregierung in der Stephansharter Au: 43 Bauerhöfe wurden auf hochwassersicheres Gebiet umgesiedelt.

1497 wurde der Neubau einer Steinkirche vollendet. Dies war eine dreischiffige Hallenkirche. Sie hatte ein Netzrippengewölbe mit Zierrippen auf Halbsäulen. Dieses Gotteshaus stand damals direkt neben dem „Moar-Hof“ mitten im Ort. Nach jahrelangen vergeblichen Stabilisierungs- und Restaurierungsversuchen wegen Abrutschgefahr musste diese Kirche 1957 gesperrt und im Jahre 1962 gesprengt und abgetragen werden.
Die neue Kirche wurde 1959 eingeweiht und ist ein klar gegliederter Baukörper mit weiträumigem Hauptschiff und schmalen Seitenschiffen. Der im Osten vorgelagerte Turm mit Pyramidendach krönt den Haupteingang. Hohe, schmale Rundbogenfenster lassen viel Licht in den Raum, der von einer Betonkassettendecke überspannt ist. Die künstlerische Einrichtung ist großteils aus der alten Kirche übernommen. Die Chorwand zeigt ein Sgraffitto von Robert Herfert aus dem Jahr 1959. Von der alten Kirche stammen der gotische Taufstein, die spätbarocken Seitenaltarbilder, Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert und eine alte Kirchenglocke aus dem Jahr 1573. In den folgenden Jahren entstand um diese Kirche eine neue Siedlung.
2007 wurde für die Pfarrkirche Stephanshart eine Orgel angekauft. Die 40 Jahre alte Olympia-Orgel aus dem tirolerischen Stift Wilten wechselte nach einer Generalsanierung in die Stephansharter Kirche. 

1976 wurde ein Verschönerungsverein gegründet. So erreichte Stephanshart 1977/1978 den ersten Preis im Blumenschmuckwettbewerb von NÖ und 1980 wurde man bei demselben „Europasieger“!

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Die alte Kirche in Stephanshart wurde 1962 wegen Rutschgefahr abgetragen.
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Die neue Kirche Stephanshart: erbaut 1959.